Bob Dylan
Bob Dylan

Bob Dylan gab 1978 sein erstes Konzert in Deutschland. Als einziger deutscher TV-Reporter durfte Detlev F. Neufert His Bobness bei seiner 'geheimen' Ankunft am Hauptbahnhof Essen filmisch in Empfang nehmen. Die einzige Bedingung seitens seines amerikanischen Managers Wassermann - kein Interview, kein Gespräch mit Mr. Dylan und nur wenige Minuten Ausschnitte aus dem Konzert. BD stand bei seinem ersten Deutschlandauftritt auf Kriegsfuss mit den deutschen Medien. Eine späte Rache für die schlimme Geschichte der Kriegsdeutschen von Robert Zimmermann?

 

Und so sieht man auf einem Foto der BILD, die natürlich wusste, wo BD ankam, wie DFN ganz verschüchtert einen Meter hinter Bob Dylan die Treppe am Hauptbahnhof hinuntersteigt.

 

Wenn DFN jemals einen musikalischen und dichterischen Meister seiner Generation bewundert hat, dann nur Bob Dylan. Und so sieht man förmlich, wieviel Überwindung es ihn gekostet haben muss, seinen Star nicht ansprechen zu dürfen.

 

Aber wer ist nicht bereit für sein Idol zu leiden.

 

In der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle bekam DFN dann eine - gelbe ! - Pressebinde und einen Platz in der 3. Reihe ganz vorne. Es war nicht erlaubt, seinen Sitzplatz zu verlassen oder sich wie bei Popkonzerten üblich an die Bühne zu stellen.

 

Bis zur Pause spielte BD dann meist mit dem Rücken zum Publikum. Das Team  drehte soviel wie möglich. Aber dann kam Mr. Wassermann zu dem Podest, wo die Kamera stand und forderte DFN auf, den Dreh abzubrechen. Die erlaubten zehn Minuten Material wären sicherlich schon im Kasten. Er hatte uns die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen.

 

Nach der Pause wollte DFN dann seinen reservierten Platz direkt am Mittelgang vor der Bühne einnehmen. Doch ein junges Mädchen hatte sich schon darauf niedergelassen und tat so als ob sie nicht anwesend sei. Eine echte Fannin.

 

Höflich wie DFN erzogen ist, liess er sich auf den Boden neben seinem Platz nieder. Innerhalb von einer Minute bauten sich zwei bullige Securities in schwarzen Anzügen vor ihm auf. Sie packten seine Arme und verdrehten sie so kunstvoll und schmerzhaft, dass  jeglicher Widerstand zwecklos war. Sie zerrten den Filmememacher vor die Hallentür. Dort gaben sie ihm noch einen kräftigen Schlag auf die Nase und verschwanden.

Das Blut spritzte bis auf die gelbe Pressebinde.

Auf der Toilette wischte sich DFN das blutverschmierte Gesicht ab, drückte ein Taschentuch auf die Nase und kehrte in die Halle zurück.

 

Er liess sich an derselben Stelle wie gehabt auf dem  Boden nieder und schwor sich, bei der geringsten Attacke seitens der Security zu zeigen, was er von Meister Bob gelernt hatte: Widerstand gegen jede Form von Gewalt, Aufbegehren gegen Unrecht und falls es sein musste, seine Stimme so laut erschallen zu lassen, dass auch die Musiker auf der Bühne und Mr. Zimmermann sich nicht wegducken konnten. 

 

Die Security tauchte nicht mehr auf. Vielleicht hatte man sie in den Griff bekommen, denn so ganz geräuschlos war die Aktion mit DFN nicht abgelaufen.

 

Das Konzert ging zu Ende mit einer genialen Version von Dyland und Band, die vom etwas tumben Publikum gar nicht realisiert wurde: 'the-times-they-are-a-changing.'

Und das kann ja nichts anderes heissen als Widerstand gegen jede Form von Gewalt und Unrecht.

 

Irgendwie war die Message von Bob Dylan bei Detlev F. Neufert angekommen.